E10 tanken

Fragen und Antworten zu Super E10

Super E10 ist die Bezeichnung für einen Ottokraftstoff der neben fossilem Benzin einen maximalen Anteil von 10 Volumenprozent Bioethanol enthält. Bioethanol ist Alkohol, der überwiegend aus pflanzlichen Rohstoffen gewonnen wird. Die Kraftstoffsorte Super E10 wurde in Europa im Jahr 2011 eingeführt.
Bioethanol wird in Deutschland aus nachwachsenden Rohstoffen (Futtergetreide und Zuckerrüben) sowie aus Reststoffen und Abfällen der Land- und Lebensmittelwirtschaft gewonnen. Bei der Verwendung von Futtergetreide und Zuckerrüben wird etwa die Hälfte des eingesetzten Rohstoffes zu Bioethanol verarbeitet. Aus der anderen Hälfte werden gentechnikfreies, eiweißreiches Tierfutter und andere Co-Produkte hergestellt, wie beispielsweise biogene Kohlensäure, Gluten, Biodünger und Biomethan.
Der Flächenbedarf für Futtergetreide und Zuckerrüben, aus denen Bioethanol hergestellt wird, betrug 2017 lediglich rund 2,8 Prozent der heimischen 11,8 Millionen Hektar großen Gesamtackerfläche. Aus den Rohstoffen Futtergetreide und Zuckerrüben wird zudem nicht nur Bioethanol erzeugt. Als zweites Hauptprodukt wird gentechnikfreies, Tierfutter hergestellt. Außerdem werden aus den Rohstoffen Neutralalkohol für die chemische Industrie, biogene Kohlensäure, Gluten sowie Biodünger und Biomethan gewonnen.
Hersteller waren bisher nicht verpflichtet ihre Fahrzeuge als Super E10-tauglich zu kennzeichnen, obwohl mehr als 95 Prozent der zugelassenen Autos mit Benzinmotor tatsächlich Super E10-tauglich sind. Eine europaweite Kraftstoffkennzeichnung mit grafischen Symbolen am Tank neuer Fahrzeuge und auch an der Zapfsäule gilt ab Oktober 2018.
Im Jahr 2011 ist in unabhängigen Verbrauchsmessungen (TÜV Rheinland und DEKRA) mit Super E10 kein Anstieg des Kraftstoffverbrauchs im Vergleich mit herkömmlichem Super (E5), welches bis zu 5 Prozent Bioethanol enthält, festgestellt worden.

Ein Mehrverbrauch durch Super E10 in der Größenordnung von 5 Prozent gegenüber Super (E5), von dem bei der Einführung in Presseberichten die Rede war, konnte also nicht bestätigt worden. Vermutlich waren unterschiedliche Bedingungen bei Versuchsfahrten, Abweichungen in der Fahrweise oder vom Bioethanolanteil unabhängige Kraftstoffunterschiede der Grund für festgestellte Verbrauchsunterschiede.
Super E10 ist bundesweit günstiger als herkömmliches Super (E5) Benzin. Bis Ende 2014 betrug die Preisdifferenz zwischen Super (E5) und Super E10 durchschnittlich 4 Cent/Liter. Danach wurde der Preisvorteil von Super E10 gegenüber Super (E5) bundesweit in der Regel auf 2 Cent/Liter reduziert. Bei gleich bleibendem Verbrauch haben somit Besitzer von Super E10-tauglichen Autos geringere Kraftstoffkosten, wenn sie Super E10 tanken. Sogar bei einem angenommenen Mehrverbrauch von bis zu 1,9 Prozent und einer Preisdifferenz von 2 Cent/Liter wäre das Tanken von Super E10 günstiger.
Hinweise, die vor irrtümlicher Betankung mit Super E10 warnen, sind als Maßnahme zur vorbeugenden Schadensverhütung zu verstehen. Dies bedeutet nicht, dass es bei irrtümlicher Betankung mit Super E10 in jedem Fall zu einem Fahrzeugschaden kommen muss. Der ADAC hat nach der Einführung von Super E10 in Deutschland einen Test mit einem nicht vom Hersteller für Super E10 freigegebenen Auto durchgeführt. Dabei kam es erst nach einer mehrere Wochen dauernden Testfahrt und rund 30.000 gefahrenen Kilometern zu einem Defekt. Falle einer Fehlbetankung mit E10 wird aber empfohlen, die Hinweise des Fahrzeugherstellers zu beachten und im Zweifel den Tank abzupumpen.
Im Jahr 2016, fünf Jahre nach Einführung von Super E10, stellte der ADAC fest: "Bis heute ist kein einziger Fall eines dafür zugelassenen Autos bekannt, das wegen des Kraftstoffs Schaden genommen hätte."
Sparsamere Autos können die Verringerung klimaschädlicher Emissionen durch die Beimischung von Bioethanol in Benzin nicht ersetzen. An den CO2-Emissionen der heute zugelassenen Fahrzeuge ändern geringere Verbräuche zukünftiger sparsamer Automodelle nichts. Neufahrzeuge mit technischen Neuerungen sowie geringerem Verbrauch und niedrigerem CO2-Ausstoß finden nur über jährliche Neuzulassungen nach und nach Eingang in den Fahrzeugbestand. Um die CO2-Emissionen des aktuellen Fahrzeugbestandes kurz- und mittelfristig zu verringern, ist Super E10 für Benzinmotoren die einzige sofort im derzeitigen Tankstellennetz verfügbare Lösung.
Die so genannte Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung stellt sicher, dass in Deutschland zertifiziertes Bioethanol nicht von besonders schützenswerten Flächen stammt und deutlich den Treibhausgasausstoß senkt. Im Jahr 2016 betrug die Treibhausgasminderung amtlich festgestellt mit dem in Deutschland verwendeten Bioethanol 75 Prozent gegenüber dem gesetzlichen Vergleichswert für fossiles Benzin. Pro Liter Super E10 werden gegenüber Super (E5) durchschnittlich 126 g klimaschädliche Emissionen eingespart. Dies entspricht einer Treibhausgaseinsparung von rund 133 kg im Jahr bei einer durchschnittlichen Fahrleistung von 14.000 km/Jahr und einem Durchschnittsverbrauch von 7,5 Litern Benzin / 100 km CO2.
Die europäische Norm für Ottokraftstoffe DIN EN 228 gewährleistet die Qualität von Super E10 in Deutschland und allen anderen EU-Mitgliedsländern, wie etwa von "SP95-E10" in Frankreich. Bioethanol ist der einzige zertifiziert nachhaltige Ottokraftstoff mit amtlich registriertem Nachweis.
Im Jahr 2016 machte die nach Europa importierte Menge Bioethanol nur 4 Prozent am EU-Gesamtverbrauch aus. Auch dieses importierte Bioethanol etwa aus Brasilien oder den USA unterliegt den strengen deutschen Nachhaltigkeitsvorschriften und muss entsprechend zertifiziert sein. Die Produktion von Bioethanol aus pflanzlichen Rohstoffen geht stets Hand in Hand mit der Nahrungsmittelproduktion. Bei der Erzeugung des Alkohols entsteht aus den pflanzlichen Rohstoffen zusätzlich u.a. gentechnikfreies- Tierfutter. Dies trägt EU-weit dazu bei, von Importen gentechnisch veränderter Futtermittel unabhängig zu werden.
Nach der in Deutschland geltenden so genannten Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung und der europäischen Richtlinie 2009/28 ist es nicht erlaubt, gerodete Regenwaldflächen und andere Flächen mit hohem Naturschutzwert zum Anbau von Pflanzen für die Bioethanolerzeugung zu verwenden.

Das in Deutschland in Benzin beigemischte Bioethanol stammt überwiegend aus heimischer Produktion oder aus anderen EU-Mitgliedstaaten. Bioethanol aus Brasilien steht auch nicht indirekt mit der Rodung von Regenwald in Verbindung. Die Bioethanolproduktion in Brasilien war in den letzten Jahren rückläufig (- 5 Prozent), gleichzeitig hat die Regenwaldrodung dort zugenommen. Offenbar war der Großteil der neuen Flächen für Soja (Futtermittel) bestimmt. Betrug die mit Soja bepflanzte Fläche im Jahr 2015 noch 31,1 Millionen Hektar, so wuchs sie bis zum Jahr 2017 auf fast 35 Millionen Hektar an.
In Deutschland wird Bioethanol hauptsächlich aus Futtergetreide und Zuckerrüben, die von den Landwirten nach guter fachlicher Praxis im Fruchtwechsel angebaut werden, gewonnen. Monokulturen sind durch diesen regelmäßigen Fruchtwechsel ausgeschlossen.
Der Bedarf von Wasser, Dünge- und Pflanzenschutzmitteln landwirtschaftlicher Kulturen richtet sich nach den Ansprüchen der angebauten Pflanze. Zwischen der landwirtschaftlichen Erzeugung von Pflanzen für Lebens- oder Futtermittel und für die Herstellung von Bioethanol besteht kein Unterschied. Das heißt, dass die Verwendung des Erntegutes keinen Einfluss auf den Wasser-, Dünge- und Pflanzenschutzmittelbedarf hat.

Bei den Verarbeitungsprozessen des Erntegutes zu Bioethanol wird ebenfalls Wasser eingesetzt, dieses wird jedoch weitestgehend aufbereitet und wiederverwertet. Bioethanol wird aus der im Futtergetreide enthaltenen Stärke bzw. aus dem in den Zuckerrüben enthaltenen Zucker gewonnen. Mehr als die Hälfte der Rohstoffe wird zur Produktion von Tierfutter und unter anderem von biogener Kohlensäure, Gluten sowie Biodünger und Biomethan verwendet.
Die so genannte Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung und die europäische Richtlinie 2009/28 verbieten, Rohstoffe auf gerodeten Regenwaldflächen oder auf anderen Flächen mit hohem Naturschutzwert anzubauen. Der in deutschen Rechtsvorschriften ebenfalls als Voraussetzung für die Anerkennung als Biokraftstoff festgelegte Mindestwert von 50 Prozent CO2-Einsparung wird von Bioethanol aus heimischer Erzeugung bei weitem übertroffen. Das in Deutschland beigemischte Bioethanol erreichte im Jahr 2016 bereits 75 Prozent CO2-Einsparung gegenüber fossilem Benzin.
Für die nähere Zukunft fordern verschiedene Umweltorganisationen Verbrauchsobergrenzen für Pkw von 3,0 beziehungsweise 3,5 Litern pro 100 Kilometer bzw. scharfe Vorgaben für die CO2-Emissionen von Pkw. Dies würde bedeuten, dass die Autohersteller nur noch verbrauchsoptimierte Kleinwagen verkaufen dürften. Autos der unteren Mittelklasse wären bereits faktisch nicht mehr marktfähig. Zusätzlich werden deutlich höhere Steuerbelastungen, Fahrverbote und Tempolimits gefordert. Im Ergebnis laufen solche Forderungen darauf hinaus, die individuelle Mobilität deutlich einzuschränken oder drastisch zu verteuern.
Die Verbraucherpreise für Brot und Getreideerzeugnisse sind in Deutschland in den letzten Jahren gestiegen, doch ist die Verwendung von Pflanzen für Bioethanol und aller Co-Produkte nicht die Ursache für diese Preisentwicklung. Hierzulande setzt sich der Lebensmittelpreis für z. B. Brot aus 65 Prozent Kosten für Energie, Steuern und Handel, 30 Prozent Lohnkosten und nur 5 Prozent Rohstoffkosten zusammen. Nicht nur der geringe Anteil der Rohstoffkosten an der Preiszusammensetzung spricht gegen einen entscheidenden Einfluss der Herstellung von Bioethanol auf gestiegene Lebensmittelpreise, sondern auch folgende Daten: Seit 2011 stieg die deutsche Produktion von Bioethanol aus Futtergetreide und Zuckerrüben an, die hierfür benötigte Anbaufläche betrug 2017 rund 0,32 Millionen Hektar. Dies sind nur 2,8 Prozent der in Deutschland bewirtschafteten Ackerfläche von 11,8 Millionen Hektar. Dennoch sind die Verkaufspreise der zur Produktion von Bioethanol eingesetzten Rohstoffe wie Roggen, Weizen, Mais, Tricitale und Zuckerrüben seit 2011 im Gegensatz zu den Verbraucherpreisen für Brot und Getreideerzeugnisse stetig gesunken.

Lebensmittel- und Agrarrohstoffpreise werden hauptsächlich durch Angebot und Nachfrage, wetterbedingte Produktionsschwankungen, Öl- und Gaspreise, Produktionskosten (u.a. Löhne) und globale Konjunkturschwankungen beeinflusst. Ein Beispiel für den Einfluss von Wetterextremen ist der steigende Marktpreis von Weizen aufgrund der Dürre in Europa im Sommer 2018.
Bei der Herstellung von Bioethanol schließen sich Nahrungsmittel- und Energieproduktion nicht aus. Bei der Erzeugung von Bioethanol entsteht als Co-Produkt gentechnikfreies, Tierfutter. Unter anderem werden auch Neutralalkohol für die chemische Industrie, biogene Kohlensäure, Gluten, Biodünger und Biomethan gewonnen. 2017 wurden in Deutschland nur 4,7 Prozent der gesamten Getreide- und Zuckerrübenernte zur Erzeugung von Bioethanol einschließlich aller Co-Produkte eingesetzt.

Im Gegensatz zur weltweit steigenden Bioethanolproduktion und zunehmenden Bevölkerungszahlen, hat der Welthunger in den letzten Jahren abgenommen.

Für Hunger auf der Welt gibt es viele Gründe wie wetterbedingte Ernteausfälle, strukturelle Armut, (Bürger-)Kriege. Angaben der Welternährungsorganisation FAO zeigen, dass in Industrieländern 670 Millionen Tonnen Lebensmittel jährlich ungenutzt weggeworfen werden, während in den Entwicklungsländern im gleichen Zeitraum 630 Millionen Tonnen Lebensmittel wegen fehlender Infrastruktur verderben, bevor sie überhaupt den Konsumenten erreichen können.